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Naturschutz

13.08.2018


SAV-Ortsgruppe Plattenhardt

Engagement für Vielfalt

Die Ortsgruppe Plattenhardt des Schwäbischen Albvereins engagiert sich um, dem Insektensterben entgegenzuwirken. Ein Bericht von Dieter Striebel.

In den vergangenen Monaten häuften sich Meldungen zum Thema Insektensterben. Die Gründe dafür sind vielschichtig. Da ist zunächst der Flächenverbrauch für Wohnungen, Industrie und Verkehr. Außerdem gab es in den vergangenen Jahrzenten einen gravierenden Strukturwandel in der Landwirtschaft von vielen kleinbäuerlichen Betrieben hin zu wenigen Großbetrieben mit entsprechend großen Maschinen. Das führte im Ackerbau zu immer mehr großflächigen Monokulturen zum Beispiel von Mais und dem damit verbundenen Einsatz von Pestiziden und Insektiziden. Und dazwischen breite asphaltierte Wege ohne Feldraine. Die Wiesen wurden früher im Juni gemäht um Heu zu machen, heute werden sie bereits im Mai gemäht zur Silagebereitung. Dadurch werden viele unserer Wiesenblumen vor oder während der Blüte gemäht und damit verdrängt. Extensiv zu bewirtschaftende Flächen wie Steillagen, Magerwiesen, Wacholderheiden werden oft gar nicht mehr gemäht oder beweidet und verbuschen. Wichtige Lebensräume für Insekten gehen verloren!

Da setzt die Arbeit des Schwäbischen Albvereins (SAV) an: Alte Kulturlandschaften mit ihrer Artenvielfalt sollen als Lebensraum für Insekten wie Wildbienen, Hummeln, Schmetterlinge und Käfer ebenso wie für Eidechsen, Vögel und andere Lebewesen erhalten werden. So pflegen die freiwilligen Helfer des SAV eine Wacholderheide, indem sie sie einmal im Jahr mähen und freischneiden und so vor Verbuschung schützen. Damit konnte etwa das Vorkommen des heute sehr seltenen Wiesenknopf-Bläulings gesichert werden.

Ein zweites Projekt ist eine Blumenwiese unterhalb des Uhlbergturms. Sie ist Teil eines aufgegebenen Weinbergs. Viele der Grundstücke an diesem sonnigen Südhang werden heute freizeitmäßig genutzt und damit zu früh und zu oft gemäht oder bleiben ungenutzt und sind dann von Brombeerranken zu gewuchert. Der Albverein versucht seit ein paar Jahren, dieses Grundstück als Blumenwiese zu erhalten. Dazu wird die Wiese nur einmal im Jahr gemäht, und zwar erst nach dem Verblühen der meisten Blumen also Ende August/Anfang September. Mit dem Erfolg, dass auf der relativ kleinen Fläche von rund zehn Ar inzwischen über 60 verschiedene Pflanzenarten nachgewiesen wurden, darunter auch die streng geschützte Bienen-Ragwurz und das seltene Tausendgüldenkraut. Außerdem leben auf dieser Wiese mehrere Individuen der ebenfalls streng geschützten Zauneidechse.

Dabei liegt die Wiese im Spannungsfeld zwischen Naturschutz und Freizeitnutzung. Am Wochenende ist sie vor allem bei Familien mit Kindern beliebt, ein alter Weißdorn dient schon seit Generationen als Kletterbaum für Kinder. Wenn man als Naturschützer dann die empfindliche Bienen-Ragwurz oder die Eidechsen sieht, dann liegt es nahe, ein Betretungsverbot auszusprechen und die Wiese einzuzäunen. Andererseits ist man sich beim SAV im Klaren darüber, dass allein mit dem Erhalt dieser kleinen Blumenwiese die Insektenwelt nicht gerettet werden kann. Deshalb will die Ortsgruppe Plattenhardt über die zum Erhalt der Blumenwiese nötigen Pflegemaßnahmen hinaus die vielen Besucher über ihre Arbeiten und die ökologische Bedeutung solcher Refugien informieren, Interesse wecken und für das Thema Artenschutz sensibilisieren. Eine Informationstafel mit Abbildungen von über 50 auf der Wiese wachsenden Blumen soll die Besucher anregen, selber zum Erhalt solcher Biotope beizutragen.

 Dieter Striebel, Naturschutzwart der Ortsgruppe Plattenhardt im SAV