Unter dem Titel „Brückenwege – Verbindungen zwischen Kulturen schaffen und Teilhabe ermöglichen“ entwickelt der Deutsche Wanderverband (DWV) von März 2026 bis Februar 2027 ein bundesweites Sensibilisierungs-, Trainings- und Vernetzungsprogramm für Wandervereine. Ziel ist es, Menschen mit Migrationsbiografie stärker für ein Engagement im Ehrenamt zu gewinnen und Vereine bei einer diverseren Ausrichtung zu unterstützen.
Warum dieses Projekt?
„Vielfalt ist unsere Stärke“ – diesen Leitsatz hat sich der Deutsche Wanderverband ganz bewusst und aus Überzeugung gegeben. Als Dachverband mit über 50 Mitgliedsorganisationen ist es uns ein Anliegen, wanderbegeisterte Menschen mit ganz unterschiedlichen Lebensrealitäten zusammenzubringen und auf diese Weise zu einem demokratischen Miteinander und gesellschaftlicher Teilhabe beizutragen. 2024 haben wir vor diesem Hintergrund mit einer überwältigenden Mehrheit der DWV-Mitgliedsorganisationen und der Deutschen Wanderjugend das Positionspapier „Klare Haltung für Vielfalt, Demokratie und gegen Extremismus“ verabschiedet.
Auch mit dem Projekt „Brückenwege - Verbindungen zwischen Kulturen schaffen und Teilhabe ermöglichen“ setzen wir ein starkes Signal für Demokratie und Vielfalt. Gefördert durch die Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt adressiert das Projekt die Unterrepräsentanz von Menschen mit Migrationsbiografie in den Wandervereinen und zielt darauf ab, Hemmnisse abzubauen, die einem stärkeren Engagement dieser Bevölkerungsgruppen entgegenstehen. Auf diese Weise schaffen wir Teilhabemöglichkeiten und stärken unsere Mitgliedsvereine als Orte des Austauschs, des Miteinanders und des gemeinsamen Gestaltens.
Ohne Sensibilität für gesellschaftliche Vielfalt und Kompetenzen im Bereich Interkulturelle Kommunikation kann dies kaum gelingen, daher ist es unser Bestreben, durch die Entwicklung und Erprobung praktischer Maßnahmen beides zu stärken. Neben der Zusammenarbeit mit den Pilotvereinen sollen die Projektergebnisse – ganz im Sinne der Nachhaltigkeit – allen Mitgliedsorganisationen zur Verfügung gestellt werden. Dadurch stoßen wir Prozesse an, von denen die Vereine weit über die Projektlaufzeit hinaus profitieren.
Möglichkeiten, im Projekt mitzuwirken
Das Projekt Brückenwege richtet sich vor allem an ehrenamtlich Aktive in den Mitgliedsorganisationen des Deutschen Wanderverbands. Für die DWV-Mitgliedsvereine und deren Mitglieder gibt es verschiedene Möglichkeiten, an dem Projekt mitzuwirken.
Workshop und Webinare
Im Rahmen des Projekts werden Workshops und Webinare angeboten. Interessierte aus den DWV-Mitgliedsvereinen sind herzlich eingeladen. Die Teilnahme ist kostenlos. Eine Anmeldung ist erforderlich.
Pressemitteilungen aus dem Projekt
Hier finden Sie aktuelle Meldungen aus und über das Projekt "Brückenwege".
Glossar
In diesem Glossar finden Sie Informationen zu zentralen Begriffen des Projekts. Es wird fortlaufend aktualisiert und erweitert.
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Der Begriff Diversity bedeutet wörtlich übersetzt Vielfalt oder Vielfältigkeit. Dahinter steht ein Ansatz, der Unterschieden zwischen Menschen wertschätzend begegnet. Statt einer defizitorientierten Sichtweise wird Vielfalt als Bereicherung für das gesellschaftliche Miteinander verstanden.
Als Konzept hat Diversity seinen Ursprung in der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung und verfolgt das Ziel, Diskriminierungen abzubauen. Dabei bezieht es sich auf verschiedene soziale Kategorien, wie die ethnische Herkunft, das Geschlecht, den sozio-ökonomischen Status, die sexuelle Identität, Behinderungen bzw. chronische Erkrankungen usw. Diese Kategorien haben – je nach Ausprägung – Einfluss darauf, ob Menschen Privilegien genießen oder Diskriminierungen erfahren.
Nicht nur auf der gesellschaftlichen Ebene, auch im täglichen Miteinander kann Diversität ein großer Gewinn sein – auch für Wandervereine. Wo sich Menschen mit unterschiedlichen Lebensrealitäten auf Augenhöhe begegnen, können sie miteinander in den Austausch treten und neue Perspektiven kennenlernen. Das schafft Raum für neue Ideen. Und wo eine Kultur der Wertschätzung von Vielfalt herrscht, können sich (alle) Menschen freier entfalten als in einem Klima, das nur bestimmte Menschen teilhaben lässt und andere ausschließt. Die Wertschätzung von Diversität und der Abbau von Diskriminierungen schafft somit Partizipationsmöglichkeiten und stärkt das demokratische Miteinander. -
Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit bezeichnet die Abwertung und Ausgrenzung von Menschen aufgrund Ihrer (tatsächlichen oder nur vermeintlichen) Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe. Ihr zentrales Element ist die Vorstellung von der Ungleichwertigkeit von Menschen aufgrund bestimmter Merkmale. Das bedeutet, dass Menschen aufgrund ihrer (vermeintlichen) Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe nicht lediglich als “anders”, “fremd” oder “unnormal” betrachtet werden, sondern dass dieses (vermeintliche) Anders-Sein als Begründung dafür genutzt wird, um Menschen schlechter zu behandeln, ihnen Rechte abzusprechen, ihnen Zugänge zu verwehren etc.
Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit umfasst verschiedene Formen, z.B. Rassismus, Sexismus, Homo- und Transfeindlichkeit, Antisemitismus und Ableismus (also die Abwertung von Menschen mit Behinderung), aber auch die Feindlichkeit gegenüber Obdachlosen oder Erwerbslosen. Sie kann sich auf ganz unterschiedliche Weise äußern - von persönlichen Abneigungen bis hin zu systematischer Ausgrenzung und Gewalt.
Bei der Entstehung gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit spielen Vorurteile eine entscheidende Rolle. Damit sind nicht einfach nur vorschnelle Urteile über Einzelpersonen gemeint, sondern unzulässige Übergeneralisierungen, bei denen von einigen wenigen Menschen auf alle Mitglieder einer sozialen Gruppe geschlossen wird. Vorurteile führen - meist unbewusst - zu einer Kategorisierung von Menschen in ein “Wir” und ein “die Anderen”, wobei der eigenen Gruppe in der Regel positive und der anderen Gruppe negative Eigenschaften zugeschrieben werden. Wo eine kritische Überprüfung der eigenen Annahmen ausbleibt, verfestigen sich Vorurteile und bieten einen Nährboden für Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit.
Beispiel: In öffentlichen Debatten um staatliche Transferleistungen kommt es mitunter dazu, dass vorurteilsbehaftet über die Bezieher*innen von Transferleistungen gesprochen wird. Dabei lässt sich auch die beschriebene Kategorisierung beobachten, wenn beispielweise ein „Wir, die fleißige arbeitende Bevölkerung“ gegenüber „den Faulen, die den Staat ausnutzen“ konstruiert wird. In dieser Einteilung wird pauschal eine vermeintlich fleißige Gruppe einer vermeintlich nicht fleißigen gegenübergestellt; inwiefern diese Annahmen tatsächlich den Tatsachen entsprechen, wird nicht weiter betrachtet.Wichtig ist allerdings zu berücksichtigen, dass Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit nicht allein das Resultat individueller Einstellungen ist. Auch wenn diese natürlich eine Rolle spielen, sind es ebenso strukturelle Faktoren wie z.B. gesetzliche Regelungen, sozio-ökonomische Rahmenbedingungen oder auch die Repräsentation bestimmter Gesellschaftsgruppen in den Medien, die Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit befeuern oder aber ihr entgegenwirken können.
Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit ist ein ernstzunehmendes Problem für ein demokratisches Miteinander. Und vor allem: Sie ist eine Gefahr für die Menschen, gegen die sie sich richtet. -
Interkulturelle Kompetenz beschreibt die Fähigkeit, die Begegnung zwischen Menschen aus unterschiedlichen Kulturen möglichst positiv zu gestalten. Aspekte wie Toleranz, Offenheit, Empathie, aber auch (Selbst-)Reflexionsvermögen sind in diesem Zusammenhang wichtig. Zudem spielt Wissen – sowohl über andere Kulturen als auch über den Einfluss der eigenen Kultur – sowie Kommunikationsfähigkeit eine Rolle.
Das Konzept der Interkulturellen Kompetenz hat sich im Laufe der Zeit massiv weiterentwickelt. Lange Zeit herrschte die Vorstellung, Kulturen seien im Grunde klar voneinander abgrenzbare und eindeutig unterscheidbare Räume, die keinerlei Gemeinsamkeiten haben. Treffen zwei Menschen aus unterschiedlichen Kulturen aufeinander, seien – so die Vorstellung – Konflikte vorprogrammiert. Daher müssten Menschen Interkulturelle Kompetenz erleben. Diese starre Vorstellung wird mittlerweile kritisch gesehen, denn sie ignoriert zwei wichtige Aspekte:1. Kulturen sind komplexe Konstrukte.
Kulturen sind vielfältiger als es auf den ersten Blick erscheinen mag. Sie sind nicht starr und eindeutig voneinander abgrenzbar, sondern lebendig und im stetigen Wandel. In der Menschheitsgeschichte gab es von Beginn an Austausch und wechselseitige Einflüsse zwischen Kulturen. Auch halten sich Kulturen nicht an nationalstaatliche Grenzen und es gibt – zum Beispiel regional oder zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Milieus – erhebliche Unterschiede innerhalb einer Kultur.
Das bedeutet: So vielfältig Kulturen sind, so vielfältig sind auch die Menschen, die sich in ihnen bewegen. Wer Menschen also allein aufgrund ihrer (vermeintlichen) kulturellen Zugehörigkeit oder gar ihrer Nationalität bestimmte Eigenschaften zuschreibt, tappt möglicherweise in eine Stereotypen-Falle und riskiert unangenehme Situationen oder gar Konflikte. Sich vor Augen zu führen, wie komplex Kulturen sind, kann hilfreich sein, um offen und weniger voreingenommen auf Menschen zuzugehen.2. Wie Menschen ticken, wird nicht allein durch ihre kulturelle Herkunft bestimmt.
Neben der Kultur, in der ein Mensch sich bewegt, prägen Aspekte wie der Beruf, Familie und Freundschaften, Hobbies und Interessen, politische Einstellungen etc. wie er denkt und sich verhält. In der zwischenmenschlichen Begegnung ergeben sich daraus – trotz (vermeintlicher) kultureller Unterschiede – zahlreiche Möglichkeit, um Gemeinsamkeiten zu entdecken und darüber die Basis für ein gutes Miteinander zu schaffen. Andersrum kommt es nicht selten vor, dass sich Menschen gar nicht verstehen, obwohl sie aus dem gleichen Kulturkreis stammen.
Beispiel: Zwei begeisterte Schachspieler*innen können sich aufgrund ihres geteilten Hobbys super verstehen, auch wenn sie aus unterschiedlichen Kulturen stammen. Eine begeisterte Schachspielerin und ein eingefleischter Fußballfan sich überhaupt nicht verstehen, obwohl sie demselben Kulturkreis angehören.Fazit: Interkulturelle Kompetenz ist ein wichtiger Baustein, um Barrieren in zwischenmenschlichen Begegnungen abzubauen. Wird dabei von Kulturen als starren, in sich einheitlichen und unterkomplexen Konstrukten ausgegangen, werden allerdings schnell Stereotype reproduziert, die meist wenig mit der Realität zu tun haben. Gleiches gilt, wenn Menschen allein auf ihre (vermeintliche) kulturelle Herkunft reduziert werden und ausgeblendet wird, die vielfältig die Einflüsse sind, die uns erst zu den Menschen machen, die wir sind.
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Teilhabe meint das Einbezogen-Sein in eine Lebenssituation. Dabei geht es nicht allein um passives Daneben-Stehen und Zuschauen, sondern um die Möglichkeit, sich aktiv einbringen, mitbestimmen und mitgestalten zu können. Der Begriff wird häufig in Bezug auf Menschen mit Behinderungen verwendet; er kann jedoch auch auf andere Kontexte übertragen werden.
Dass Menschen teilhaben können, ist eine elementare Voraussetzung für demokratische Gesellschaften. Dabei spielen einige Bereiche eine besondere Rolle, zum Beispiel Teilhabe an Bildung und im Erwerbsleben, politische Teilhabe, soziale Teilhabe (z.B. Wohnen, Mobilität etc.) sowie die Teilhabe am kulturellen Leben, an Freizeit, Erholung und Sport.
Teilhabemöglichkeiten können durch verschiedene Faktoren gestärkt oder aber erschwert werden. Letzteres ist beispielsweise dann der Fall, wenn es an Barrierefreiheit mangelt, Informationen nicht oder nur schwer zugänglich sind, die Teilhabe mit hohen Kosten verbunden ist oder Unterstützungsangebote fehlen. Aber auch wenn Menschen das Gefühl haben, nicht erwünscht oder nicht wirklich willkommen zu sein, verschlechtert das ihre Teilhabe-Chancen. Wer die Teilhabe von Menschen stärken will, kann dagegen auf gut zugängliche Informationen und niedrigschwellige, möglichst barrierefreie Zugänge achten. Auch Unterstützungsangebote können sich positiv auswirken. Und ganz grundsätzlich trägt ein konstruktiver Umgang mit Vielfalt und die Bereitschaft, Menschen auf Augenhöhe zu begegnen, enorm zur Stärkung von Teilhabe-Möglichkeiten bei.
Ihre Ansprechpartner*innen
Bei Fragen zum Projekt wenden Sie sich gern an uns.
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Anne-Christine Elsner
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E-Mail
Kontakt -
Telefon
0561 - 9387332
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Michael Neugaertner
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E-Mail
Kontakt -
Telefon
0561- 93873-20
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Förderung
Das Projekt wird im Rahmen des Förderprogramms transform_D der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt umgesetzt. Das Programm unterstützt bundesweit innovative Vorhaben, die bürgerschaftliches Engagement stärken und zur Entwicklung einer resilienten Zivilgesellschaft beitragen.