Digitale Besucherlenkung in OpenStreetMap mitgestalten
Erholungsuchende werden zunehmend digital durch die Natur gelenkt. Nicht alle digitalen Routen und vorgeschlagenen Ziele sind erlaubt. Es ist unerlässlich, Routing auf nicht öffentlich zugänglichen Wegen – besonders in sensiblen Schutzgebieten – zu vermeiden und digitale Wegedaten aktiv zu steuern. Dafür ist es wichtig, dass die OpenStreetMap-Datenbank als Grundlage der meisten digitalen Outdoorplattformen keine Fehler aufweist. Jede*r kann dabei mithelfen.
Ausgangslage
Erholungsuchende werden digital gelenkt – mit oder ohne Zutun von offizieller Seite. Werden digitale Daten nicht aktiv gemanagt, entscheiden vielfach Algorithmen darüber, auf welche Wege und Pfade Waldbesuchende gelenkt werden. Daraus ergibt sich vor allem in Schutzgebieten eine Notwendigkeit der aktiven Bearbeitung und Überwachung digitaler Wegedaten. Gleichzeitig stellt die aktive Datenpflege – vor allem in OpenStreetMap (OSM) – aber auch eine bedeutende Chance dar, aktiv auf Besucherströme Einfluss zu nehmen. Dies muss auf effiziente Art und Weise erfolgen, denn die laufende Pflege digitaler Wegedaten ist aufwändig – und daher sind Reaktionsmöglichkeiten in hohem Maße von Ihren zur Verfügung stehenden zeitlichen und finanziellen Ressourcen abhängig.
Lösungsansätze
- Schnelle und einfache Lösung – durch eine Notiz um Hilfe bitten:
Wenn sowohl die eigenständige Datenpflege, als auch eine offizielle Stelle dafür einzurichten, Ihre Kapazitäten übersteigen, könnten Sie dennoch über Kontaktaufnahme zur OSM-Community mit minimalem Zeitaufwand Änderungswünsche direkt auf der Karte anregen. Diese Änderungen werden in der Regel zeitnah von Mitgliedern der OSM-Community Ihrer Region umgesetzt. Eine Anleitung dazu, wie Sie solche Änderungswünsche platzieren, haben wir Ihnen hier bereitgestellt. - Lösung "Selbst aktiv werden":
Die Möglichkeit besteht zudem, die OSM-Datenpflege selbst zu übernehmen, was in gewissem Umfang unkomplizierter ist, als es vielleicht beim ersten Lesen klingen mag. Unser auf das Thema Wegenetze und Natursport zugeschnittenes Tutorial dazu finden Sie hier. - Langfristige Lösung – Personalstelle schaffen:
Mit entsprechenden Ressourcen wäre es die konsequenteste Lösung, eine Personalstelle „Digitales Besuchermanagement“ einzurichten. Informationen dazu finden Sie hier im Praxisbeispiel Stellenprofil "Mitarbeiter*in für Digitales Besuchermanagement".
Stellenprofil "Mitarbeiter*in für Digitales Besuchermanagement"
Bei einer offiziellen Stelle „Digitales Besuchermanagement“ versteht sich die Person nicht als Einzelkämpfer*in, sondern vielmehr als Koordinator*in, bei der oder bei dem alle Fäden zum digitalen Besuchermanagement zusammenlaufen. Als Beispiel kann die Nationalparkregion Sächsische Schweiz herangezogen werden, wo das Thema zunächst über eine Projektstelle bearbeitet wurde, mittlerweile aber in eine unbefristete Vollzeit-Stelle überführt wurde. Eine Person verwaltet hier die digitalen Wegedaten eines ca. 380 km² großen Gebiets. Dies erfolgt aber nicht alleine, sondern im Zusammenspiel mit ehrenamtlichen Mappern, die in OpenStreetMap aktiv sind, mit Verantwortlichen aus dem Tourismusverband, Kolleg*innen der anderen Fachbereiche sowie mit den Revierleitenden auf der Fläche. Zum Aufgabenbereich gehören der Austausch mit den ehrenamtlichen Mappern, eigene Anpassungen in OSM, Kommunikation von temporären Wegesperrungen über verschiedene Kommunikationskanäle, die Interaktion mit Usern auf digitalen Outdoorplattformen, Bearbeiten von komoot-Highlights und -Sammlungen sowie das Erstellen und Pflegen eigener Tourenvorschläge auf komoot und Outdooractive in Kooperation mit dem Tourismusverband Sächsische Schweiz.
Darüber hinaus wird auch die Datenpflege bei Google Maps vorangetrieben. Dies ist über ein Portal im größeren Stil für Behörden möglich – auch wenn damit viel Aufwand verbunden ist und Änderungen lange Zeit geprüft werden, bevor sie umgesetzt oder abgelehnt werden. Auf diesem Weg wurden im Nationalpark Sächsische Schweiz bereits illegale Wege gelöscht, fehlende Wege ergänzt und durch Bereitstellung des offiziellen Radwegenetzes dafür gesorgt, das Radfahrende nicht mehr über Wanderwege geleitet werden.
Bei allen Aufgaben ist sowohl die Beruhigung von Wegen oder wegähnlichen Strukturen das Ziel als auch die positive Lenkung von Erholungsuchenden auf abgestimmte und attraktive Wege.
Eine solche Stelle ist ein aktiver Beitrag zur Konfliktminimierung im Wald. Eine exakte Kartendarstellung in OpenStreetMap, die dann automatisch in allen wichtigen digitalen Outdoorplattformen ausgespielt wird, kann für alle Beteiligten eine zuverlässige Orientierungshilfe sein. Die Kongruenz zwischen digitaler Karte und dem digitalen Routenverlauf sowie der Wegführung vor Ort und der dazugehörigen Beschilderung bringt Klarheit für alle Beteiligten. Die Qualität des Besuchserlebnisses steigt, gleichzeitig können Naturschutzziele besser erreicht werden.
Wichtige Hinweise für die Umsetzung
Die Koordination im Bereich des digitalen Besuchermanagements sollte eine hohe Konstanz aufweisen. Netzwerke mit Haupt- und Ehrenamtlern müssen durchgängig gepflegt werden, wichtige Hinweise auf Veränderungen vor Ort sind zügig digital umzusetzen. Gibt es vor Ort noch keine aktive Mapper-Community, empfiehlt es sich, diese z.B. durch ein „Mapper-Treffen“ zunächst aufzubauen, die Beteiligten mit Schulungen zu unterstützen sowie neuen Mappern einen erfahrenen „Coach“, der bereits Erfahrung mit OSM hat, an die Seite zu stellen.
Nationalpark- und Forstverwaltung Sächsische Schweiz
Fachbereich 3, Naturerleben und Besuchermanagement
E-Mail: nationalpark-digital@smekul.sachsen.de
Link:
Hier geht es zum OSM-Profil der Mitarbeiterstelle für digitales Besuchermanagement des Nationalparks Sächsische Schweiz.
Dieser Text wurde in Zusammenarbeit mit Tour Konzept eG ausgearbeitet.