Über Wald streiten – Empfehlungen für einen konstruktiven Dialog in waldbezogenen Konflikten
Die klimabedingten Veränderungen des Waldes führen unter anderem zu Konflikten zwischen Forstleuten und Bürger*innen, die die Frage um den richtigen Umgang mit dem Wald adressieren. Diese Auseinandersetzungen beruhen meist nicht nur auf Fachfragen, sondern auch auf unterschiedlichen Werten, Interessen und Emotionen. Eine konstruktive, wertschätzende Kommunikation auf Augenhöhe kann helfen, gegenseitiges Vertrauen aufzubauen, Missverständnisse zu vermeiden und gemeinsame Lösungen für den Wald zu finden.
Ausgangslage
Insbesondere wegen der klimabedingten Veränderungen des Waldes aufgrund von Dürren, Sturmereignissen und anderen Extremwetterereignissen, kommt es vermehrt zu Konflikten um den Wald. Forstleute und Bürger*innen sorgen sich dabei gleichermaßen um das Wohlergehen des Waldes. Die Meinungen, wie der "korrekte" Umgang mit dem Wald auszusehen hat, um ihn zu schützen und für die Zukunft zu bewahren, gehen auseinander. In den Konflikten geht es jedoch nicht nur um fachliche Fragen, sondern immer auch um Werte, Interessen und Bedürfnisse der in die Konflikte involvierten Personen (mehr Hintergrund im Wissenstext "Der Streit um den Wald"). Oftmals sind die Auseinandersetzungen dabei von gegenseitigem Misstrauen und mangelnder Wertschätzung füreinander geprägt. Eine durchdachte und konstruktive Kommunikation kann jedoch dabei helfen, Konflikten vorzubeugen beziehungsweise diese zu schlichten.
Lösungsansatz
Im Umgang mit waldbezogenen Konflikten ist es hilfreich zu bedenken, dass es den Beteiligten aufgrund der unterschiedlichen Ansichten und Perspektiven nicht immer möglich ist, die Argumente und das Verhalten des Gegenübers nachzuvollziehen. Das sorgt für Frustrationen, dem gegenseitigen Vorwurf verdeckter Agenden und einer weiteren Eskalation der Konflikte. Im Umgang mit waldbezogenen Konflikten ist es daher hilfreich sich in Erinnerung zu rufen, dass es eine große Gemeinsamkeit gibt: Die Sorge und die Begeisterung für den Wald!
Kritischen Stimmen zuzuhören kann somit für alle beteiligten Konfliktparteien bereichernd sein. Natürlich ist Kommunikation nicht immer einfach, vor allem wenn verschiedene Sichtweisen und kontroverse Meinungen aufeinanderprallen. Doch eine Position anzuerkennen, die nicht der eigenen entspricht, heißt nicht, die gleiche Meinung zu vertreten. Aber es hilft dabei, die gegenseitige Wertschätzung zu fördern, das Gegenüber kennenzulernen und dessen Engagement zu würdigen. All das sind Grundbedingungen für einen fruchtbaren Austausch. Ein Austausch auf Augenhöhe ist dann wahrscheinlicher, denn gegenseitiges Vertrauen ist die beste Grundlage für Gespräche.
Dabei ist es immer hilfreich nicht übereinander zu sprechen, sondern miteinander. Termine und Veranstaltungen im Konfliktkontext sollten daher möglichst gemeinsam mit allen Beteiligten stattfinden.
Treffen die Konfliktparteien aufeinander ist es hilfreich zu bedenken, dass Positionen vielschichtig sein und damit widersprüchlich wirken können. Das gilt auch für die eigene Position. Daher ist es sinnvoll auch das eigene Verhalten im Konflikt immer wieder zu reflektieren und sich bewusst zu machen, dass dieses seitens des Gegenübers permanent interpretiert wird. So wie man auch selbst das Verhalten "der Anderen" bewertet. Die Frage, wie man selbst auf andere wirken könnte und was man tatsächlich über die andere Konfliktpartei weiß, kann viel zur Klärung beitragen.
Niemand kann allein und frei von Sachzwängen über den Wald entscheiden. Doch im Streitfall wirkt das Gegenüber oft überlegen; sei es durch Macht, Strategie, Wissen…
Meist geht es beiden Seiten so, denn jede Position hat Stärken und Schwächen. Daher ist es wichtig, Dominanzgesten – wie beispielsweise die verbale Zurschaustellung von Macht oder Wissen oder eine bestimmte Körperhaltung – zu vermeiden, denn sie führen zu Abwehr. Fakten-Pingpong über den Wald und seine Behandlung bringt keine gemeinsamen Lösungen, Sie müssen keine Argumente widerlegen. Besser ist es, Anliegen zu verstehen und gegenüber anderen verständlich zu formulieren. Statt das aktuelle Problem zu betonen, sollte die Diskussion künftiger Lösungen für den Wald im Mittelpunkt stehen.
Hinweise für die Umsetzung
- Trotz der verschiedenen Ansichten, die Begeisterung für den Wald eint alle Konfliktbeteiligten.
- Sich auf (Konflikt-)Gespräche einzulassen hilft dabei, das Gegenüber besser zu verstehen.
- Konflikte lassen sich am besten mit allen Beteiligten gemeinsam lösen!
- Um sich nicht zu sehr in Konflikte zu versteifen, sollte man sich stets fragen, wie man auf das Gegenüber wirkt und eigene Vorannahmen über das Gegenüber zurückstellen.
- Gespräche werden durch gegenseitiges Verständnis und der Suche nach zukunftsorientierten Lösungen zielführender.
Selbstverständlich können und sollen an dieser Stelle nicht die Zusammenhänge einer gelungenen oder auch weniger gelungenen Kommunikation umfassend dargestellt werden. Allerdings kann dieser kleine Einblick dabei unterstützen, um das, worauf es in der Kommunikation ankommt, verständlich abzubilden. Dies macht deutlich, warum der Austausch von Informationen nicht immer so verläuft, wie man es sich denkt und wünscht. Das lässt sich auch auf andere Konflikte rund um den Wald, die die Freizeitnutzung oder andere Themen adressieren, sinnvoll übertragen.
Stabsstelle Gesellschaftlicher Wandel
Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg
Wonnhaldestraße 4 · D-79100 Freiburg
Telefon: +49 (761) 4018-458
E-Mail: SGW.FVA-BW@forst.bwl.de
Links & Downloads:
Die hier dargestellten Lösungsansätze für einen konstruktiven Dialog in waldbezogenen Konflikten basieren auf den Erkenntnissen der Projekte der Stabsstelle Gesellschaftlicher Wandel der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA), insbesondere der Broschüre „Der Streit um den Wald“:
- Broschüre "Der Streit um den Wald"
- Handreichung "Über Wald ins Gespräch kommen – gelingende Waldführungen im Klimawandel" (PDF, 1MB)
- Webseite zum Projekt "Waldeslust statt Waldesfrust! Grundlagen für einen konstruktiven Dialog in waldbezogenen Konflikten"
- Webseite zum Projekt "Kontrastiv. Über Wald Reden.
- Hintergrund zum Projekt "Kontrastiv. Über Wald Reden.
- Webseite zum Projekt „Wahrnehmung klimabedingter Waldveränderungen durch die Bevölkerung“
Dieser Text ist ein Beitrag der Stabsstelle Gesellschaftlicher Wandel der FVA Baden-Württemberg.