Landesweite Plattform zum Freizeitwegemanagement

In den Bundesländern fehlt bislang ein vollständiger Überblick über genehmigte und beschilderte Freizeitwege, was Abstimmungsprozesse und Besucherlenkung erschwert. Hilfreich kann die Entwicklung eines zentralen landesweiten Online-Tools sein, welches alle relevanten Wegedaten bündelt, auf einer einheitlichen Kartengrundlage wie OpenStreetMap darstellt und Funktionen wie Mängelmeldungen integriert 

Ausgangslage

In vielen Regionen Deutschlands sind Freizeitwege in der Natur beschildert und dienen der Besucherlenkung. Dies sind vor allem Wanderwege, aber auch Rad- und Mountainbikewege, Reitwege, spezielle Themenwege, Nordic-Walking-Strecken oder ähnliches. Häufig ist die Ausschilderung dieser Wege genehmigungspflichtig und der Umsetzung ist ein Abstimmungsprozess sowie eine Genehmigung vorausgegangen. So auch in Baden-Württemberg, wo die Ausschilderung von Wegen laut Landeswaldgesetz genehmigungspflichtig ist. Allerdings liegen die Informationen, welche Wege für welche Art von Ausschilderung genehmigt wurden, meistens nur in Form von analogen oder digitalen Akten bei den jeweils zuständigen Forstbehörden vor. Ein Gesamtüberblick über alle genehmigten und beschilderten Wege fehlt, was für weitere Abstimmungsverfahren von Nachteil ist, zum Beispiel, um Besucherverkehre zu bündeln. Auch fehlt jeglicher Überblick über Schildstandorte.

Lösungsansatz 

Vorgeschlagen wird ein zentrales Online-Tool auf Bundeslandebene, das alle relevanten Daten zu Freizeitwegen anzeigt. Diese Anwendung sollte für die gesamte Fläche des Bundeslandes verfügbar sein; für Siedlungs- und Offenlandflächen genauso wie für Waldflächen. Um die Datenpflege zu vereinfachen, sollten zuverlässige vorhandene Datenbanken in das Tool online eingebunden und lediglich angezeigt werden, zum Beispiel mittels WMS. Die Pflege der Daten obliegt dann den jeweiligen Institutionen, die dafür verantwortlich zeichnen. Für die Wanderwege liegen zum Beispiel im Bereich des Schwarzwalds alle Daten bereits digital beim Schwarzwaldverein vor. Für andere Bereiche bzw. andere Freizeitwege wäre es notwendig entweder Institutionen zu benennen, die für die Datenpflege offiziell verantwortlich zeichnen oder eine Datenbank in das Online-Tool zu integrieren, in die die Forstbehörden genehmigte Wege einpflegen können. Da für viele Freizeitwege keine gebündelten Informationen vorliegen, könnten die in OpenStreetMap (OSM) hinterlegten Daten als Orientierung angezeigt werden. In OSM werden Beschilderungen nur auf den Wegen hinterlegt, auf denen sie in der Realität auch vorhanden sind. Somit kann eine in der Vergangenheit erfolgte Genehmigung in der Regel unterstellt werden.

 

Wichtig ist eine vorherige Absprache und Einigung auf eine gemeinsame Kartengrundlage, so dass alle Freizeitwege sauber auf dieser Kartengrundlage digitalisiert werden können. Nur so können die Freizeitwege eindeutig und zuverlässig dargestellt werden. Es wird empfohlen OpenStreetMap als einheitliche Kartengrundlage zu verwenden, um die Durchgängigkeit über die meisten Systeme sicherzustellen (z.B. auch alle digitalen Outdoorplattformen). Wahrscheinlich wird es hierfür nötig sein, vorhandene Daten teilweise neu auf OSM zu digitalisieren, wofür ein gewisser einmaliger Aufwand entsteht. Diese Lösung wird aber als die einzig zukunftsfähige angesehen.

 

Die Ansicht-Funktion des Online-Tools könnte öffentlich dargestellt werden, so dass alle am Freizeitwegenetz Beteiligten darauf zugreifen können, denn der potenzielle Nutzerkreis ist sehr groß. Hierzu gehören lokale oder regionale Tourismusbüros genauso wie Kommunen, jegliche Behörden, Waldeigentümer*innen, Naturschutzinstitutionen, Sportvereine, Jagdgenossenschaften, die OpenStreetMap Community und andere.

 

Einen Vorteil für die interne Kommunikation bietet die Integration einer Mängelmelderfunktion, die erfasste Mängel an der Beschilderung automatisch an die jeweilige für den Unterhalt zuständige Institution der betroffenen Beschilderung weiterleitet. Dies würde die Arbeit aller Beteiligten erheblich vereinfachen sowie positiv zum Qualitätsstandard der beschilderten Freizeitwege und somit auch zu einer positiven Besucherlenkung beitragen.

 

Ein Vorteil für die externe Kommunikation ergibt sich durch die Erfassung sowie Darstellung von Sperrungen und den dazugehörigen Umleitungen, etwa aus Gründen des Naturschutzes, der Jagd oder der Holzernte. Dadurch entsteht eine zentrale Informationsquelle, über die sich Erholungssuchende zuverlässig über die aktuelle Wegeführung informieren können.

 

Um dieses gemeinsame Online-Tool zu entwickeln, wird eine Institution auf Landesebene benötigt, die den Prozess in die Hand nimmt. Für die nötigen Abstimmungen könnte ein Runder Tisch eingerichtet werden, der in die Entwicklung des Tools eingebunden wird und die wichtigsten Beteiligten umfasst. Im gleichen Atemzuge bietet es sich an, auch die Genehmigungsprozesse zu vereinheitlichen. Hierzu sollten konkrete Workflows entwickelt werden, die dann in der Datensicherung in den jeweiligen Datenbanken sowie Darstellung neu genehmigter Wege im Online-Tool mündet. Vor allem auch Änderungen sollten durch einen einheitlichen Workflow standardisiert werden. Da die Freizeitwegeinfrastruktur vielerorts schon weit entwickelt ist, kommt dem Qualitätsmanagement und somit auch laufenden Änderungen eine hohe Bedeutung zu. Alle ausgearbeiteten Ergebnisse sollten dann auch in vorhandene Handbücher, zum Beispiel zur Wander- oder Mountainbikewegweisung eingearbeitet werden, um diese möglichst breit in der Fläche zu kommunizieren.

Blätterdach

Komplex, wie ein Blätterdach - die Umsetzung einer landesweiten Plattform zum Freizeitwegemanagement erfordert viele Absprachen, im Ergebnis ist die Basis für gemeinsame Planungsarbeit im Netzwerk entstanden

Hinweise für die Umsetzung

Es wird empfohlen das Online-Tool für die landesweite Anwendung zu entwickeln, dann aber zunächst in einer ausgewählten Pilotregion zu testen. Diese Pilotregion sollte schon über ein gutes Kooperationsnetzwerk verfügen, die Beteiligten sollten in einem guten Kontakt miteinander stehen, um Erfahrungswerte strukturiert austauschen zu können. Auch sollte eine hohe Motivation für das Thema bei den handelnden Akteur*innen vorhanden sein.

Innerhalb des Projektes WaldWegweiser hat sich mit diesem Thema vor allem die Modellregion Rohrhardsberg befasst. Nähere Informationen bei:

  • ForstBW

    Forstbezirk Hochschwarzwald
    Johannes von Stemm
    Ottenstraße 6 · D-79199 Kirchzarten

    Telefon: +49 7661 9754904
    E-Mail: johannes.stemm@forstbw.de

  • Dieser Text wurde in Zusammenarbeit mit Tour Konzept eG ausgearbeitet.