Zuverlässige Orientierung durch Route 3.0 - Qualitätskriterien für digitale Daten
Digitale Tourenangebote sind weit verbreitet, leiden jedoch oft unter mangelnder Qualität und Uneinheitlichkeit. Mit den Qualitätskriterien „Route 3.0“ wurde ein modulares Modell entwickelt, das technische Genauigkeit, Nutzerfreundlichkeit und inhaltliche Aufbereitung von GPX-Tracks verbessert und Akteur*innen im Tourismus praxisnahe Orientierung bietet. Schulungen und Leitfäden unterstützen die Umsetzung, um landesweit einheitliche, aktuelle und nutzerfreundliche Tourenstandards zu etablieren.
Ausgangslage
Digitale Tourenangebote in Form von veröffentlichten GPX-Tracks sind fester Bestandteil des Natursports, doch ihre Qualität variiert stark. Viele Inhalte sind unvollständig, ungenau oder nicht an lokale Gegebenheiten angepasst. Um den steigenden Erwartungen der Nutzer*innen gerecht zu werden, wurden die Qualitätskriterien „Route 3.0“ entwickelt. Ziel ist es, Standards für digitale Touren zu schaffen – mit dem Anspruch, Gästen präzise und aktuelle Vorschläge bereitzustellen, die mit jeder App und jedem GPS-Gerät vor Ort nutzbar sind. Aktuell handelt es sich bei den Qualitätskriterien „Route 3.0“ noch um Empfehlungen, die kontinuierlich weiterentwickelt werden.
Lösungsansatz
Route 3.0 bietet praxisnahe Empfehlungen, um digitale Tourenangebote an die Qualität von Produkten anzupassen und gezielt auf die Bedürfnisse der Nutzer*innen auszurichten. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass digitale Routenformate zwar weit verbreitet sind, inhaltlich und technisch jedoch oft uneinheitlich, veraltet oder nicht praxistauglich aufbereitet werden. Um hier Abhilfe zu schaffen, wurde ein modulares Qualitätsmodell entwickelt, das Akteur*innen aus Tourismus, Schutzgebieten, Kommunen und Technik Orientierung bei Planung, Umsetzung und Pflege bietet.
Das Modell basiert auf vier eng verzahnten Qualitätsdimensionen: GPX-Qualität, Content-Qualität, System-Qualität und Produkt-Qualität. Es adressiert sowohl technische Genauigkeit als auch Nutzerfreundlichkeit und Erlebniswert. Die ersten beiden Module – GPX-Qualität (Ausgabe 1) und Content-Qualität (Ausgabe 2) – liegen bereits vor und definieren konkrete Kriterien für nachvollziehbare, saubere Routenverläufe sowie für die redaktionelle Aufbereitung von Inhalten. Die noch in Bearbeitung befindlichen Ausgaben zu System- und Produkt-Qualität werden das Modell in naher Zukunft komplettieren.
Im Mittelpunkt der bisherigen Anwendung standen Schulungen und Weiterbildungen auf Landesebene, die dazu dienten, relevante Akteur*innen für die Thematik zu sensibilisieren und ein gemeinsames Qualitätsverständnis zu etablieren. Dabei zeigt sich: Nur wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen und dieselbe Sprache sprechen, kann ein einheitlicher digitaler Standard entstehen, der Gästen verlässliche, ansprechende und barrierearme Informationen liefert – unabhängig vom gewählten Gerät oder der verwendeten App.
Der begleitende Leitfaden unterstützt diesen Prozess mit einer klar strukturierten Checkliste zur praktischen Umsetzung vor Ort. Schritt für Schritt werden Anforderungen, zentrale Tools sowie technisches Know-how verständlich erklärt, um die Anwendung so niedrigschwellig wie möglich zu gestalten. Route 3.0 ist damit nicht nur ein Werkzeug zur Qualitätssteigerung digitaler Angebote, sondern auch ein Impulsgeber für interdisziplinäre Zusammenarbeit und zukunftsfähige Besucherlenkung.
Insgesamt vier Fortbildungen für Touristiker*innen mit dem Thema „OSM und Route 3.0“ in verschiedenen Regionen Niedersachsens wurden im Jahr 2023 von der TourismusMarketing Niedersachsen GmbH (TMN) initiiert. Daraus folgten einzelne Seminare von touristischen Regionen wie dem Emsland. Ziel der Schulungen war es, Mitarbeiter*innen im Tourismus mit den aktuellen Empfehlungen des Deutschen Tourismusverbandes (DTV) zum Projekt „Route 3.0“ bekannt zu machen und so zu schulen, dass sie in der Lage sind, diese Kriterien auf die eigenen Produkte anzuwenden und nachhaltig zu pflegen. Das gelernte Wissen wurde von den Teilnehmenden noch im Workshop umgesetzt und für konkrete Praxisanwendungen genutzt. So gelang es den Teilnehmenden in wenigen Minuten eine konkrete Baustellen-Umleitung für den Elberadweg bei Schönebeck live zu entwickeln und als digitale Datei auszugeben – fertig zur Übermittlung an den Gast oder zum Einstellen auf die eigene Webseite.
Bei den Weiterbildungsangeboten der Route 3.0 wurden folgende Themen behandelt:
- Wie digital ist der Gast unterwegs? Wie kommt der Gast an die digitalen Touren?
- Was sind die Möglichkeiten und Grenzen des Outdoor-Routings?
- Was sind die Kriterien der Route 3.0 und wie können sie umgesetzt werden?
- Welche Online-Tools gibt es zur einfachen Umsetzung der Qualitätskriterien?
Die Teilnehmenden waren in der Regel positiv überrascht, wie einfach und niederschwellig eigene Tourenvorschläge geprüft werden können und wie unkompliziert man neue Touren selbst entwickeln kann.
Hinweise für die Umsetzung
Methodisch-didaktisch bewährt hat sich bei den Schulungen die Kombination von Präsenz und Onlinemodulen. Das erste Modul sollte in Präsenz stattfinden, da zu Beginn erfahrungsgemäß in diesem Bereich hohe Lernbarrieren bestehen. Um die Inhalte nachhaltig zu verankern, sollten im Anschluss an das Präsenzmodul Übungsaufgaben folgen – zum Beispiel die Entwicklung eigener Tourenvorschläge. Ziel ist es, Sicherheit im Umgang mit den Kriterien und Prüftools zu erlangen.
Deutscher Tourismusverband e. V. (DTV)
Schillstraße 9 · D-10785 Berlin
Telefon: +49 30 856 215 0
E-Mail: kontakt@deutschertourismusverband.de
Dieser Text wurde in Zusammenarbeit mit Tour Konzept eG und Naviso Outdoornavigation ausgearbeitet.