Detaillierte Ursachenanalyse bei Konflikten
– analog und digital

Erholungsuchende verlassen sich auf eine gute Qualität der digitalen und analogen Wege und Informationen. Trotzdem kommt es vor, dass sie sensible Bereiche oder private Grundstücke betreten oder in zugewachsenen Wegen stecken bleiben. Das führt zu Beschwerden der Eigentümer*innen oder unzufriedenen Gästen. Eine Ursachenanalyse im Gelände und den Onlinedaten mit entsprechender Fehlerkorrektur ist nötig, um Besucherlenkung zu optimieren und Konflikte nachhaltig zu reduzieren.

Ausgangslage

Tourismusverwaltungen erreichen immer wieder Beschwerden, weil Erholungsuchende sensible Naturräume, Privatgrundstücke, Firmengelände nutzen oder ungewollte Trampelpfade entstehen. Für die Verantwortlichen ist die Ursache solcher Regelverstöße oft nicht auf den ersten Blick erkennbar. Denn die betroffenen Stellen liegen nicht auf den offiziellen touristischen Wegen, werden somit nicht offiziell beworben und sollten demnach auch nicht von Erholungsuchenden aufgesucht werden. 

© Deutscher Wanderverband - Kartenquelle: KOMPASS Karten GmbH

Lösungsansatz 

Bevor Maßnahmen zur Besucherlenkung umgesetzt werden, sollte daher zunächst eine detaillierte Ursachenanalyse erfolgen. Nur so lässt sich sicherstellen, dass die angestoßenen Lösungen auch tatsächlich greifen. Das folgende dreistufige Prüfverfahren wird empfohlen:

  1. Angepasstes Wegenetz
    Qualität in der Besucherlenkung setzt ein an die finanziellen und personellen Möglichkeiten angepasstes Wegenetz mit abgestimmten Zuständigkeiten voraus. Dafür sollte für jede in einer Region ausgewiesene Route bekannt sein, welcher Verein oder welche Organisation für den ausgewiesenen Weg und dessen Pflege zuständig ist und ob diese noch gewährleistet ist. Wenn ausgewiesene Routen aus der Nutzung genommen werden, müssen sie zunächst vor Ort demarkiert werden, damit auch die digitale Anpassung vorgenommen werden kann.
  2. Besucherlenkung im Gelände
    Dann gilt es, die analoge Beschilderung vor Ort kritisch zu überprüfen. Sind die Wegweiser und Markierungen vollständig, richtig ausgerichtet, sichtbar und leicht verständlich? Ist die Wegweisung lückenlos und intuitiv oder könnten Missverständnisse entstehen? Manchmal erfordert die Situation zusätzliche Hinweise – etwa zu Sperrungen, Besonderheiten vor Ort oder Hintergrundinformationen, die die Akzeptanz der Regelungen erhöhen.
  3. Datenbestand in OpenStreetMap (OSM)
    Im dritten Schritt sollte der digitale Datenbestand in OpenStreetMap (OSM) geprüft werden. Stimmt der Verlauf des offiziellen Weges mit der Realität überein? Ist er mit der richtigen Relation, etwa als Wander- oder Radroute, hinterlegt? Oder ist ein konfliktträchtiger Weg fälschlicherweise als offizieller Weg markiert? Solche Fälle lassen sich beispielsweise über waymarkedtrails.com nachverfolgen. Soll ein Weg dauerhaft entfallen oder vorübergehend gesperrt werden, kann dies in OSM vermerkt und mit einer Begründung versehen werden. Der Datenbestand in OSM bildet die Grundlage für viele digitale Tourenangebote, deshalb ist die Aktualität der Daten essenziell.
    Wie Sie mit Waymarkedtrails.com Ihren Datenbestand überprüfen, wird hier erklärt.
  4. Digitale Outdoorplattformen
    Als viertes sollten die gängigen digitalen Outdoorplattformen (wie komoot oder outdooractive) in den Blick genommen werden. Dabei ist es wichtig, sich nicht nur auf ein Portal zu beschränken, sondern alle in der Region tatsächlich genutzten Plattformen zu berücksichtigen. Hier lohnt ein Blick auf die offiziellen Touren, Community-Vorschläge und automatisch generierte Tourenvorschläge. Führen sie durch den konfliktträchtigen Bereich, können eigene Touren angepasst oder Community-Autor*innen kontaktiert werden, um Änderungen anzuregen. Auch die Routingfunktion sollte im betroffenen Bereich für die verschiedene Sportarten getestet werden. Sollten das automatische Routing und die automatischen Tourenvorschläge trotz korrekter OSM-Daten weiterhin durch sensible Zonen verlaufen, ist auch der direkte Kontakt zu den Portalen sinnvoll. Zu bedenken ist, dass Aktualisierungen in OSM zeitverzögert in den Portalen erscheinen.

Eine optimale Besucherlenkung – vor Ort wie online – garantiert zwar nicht, dass sich alle Erholungsuchenden regelkonform verhalten. Sie bildet jedoch eine unverzichtbare Grundlage für ein entspanntes Miteinander in der Natur und sollte daher regelmäßig und umfassend geprüft werden.

Hinweise für die Umsetzung

Alle vier Ebenen sollten unabhängig voneinander überprüft werden, da Fehlerquellen auf jeder Ebene auftreten können und sich oft gegenseitig verstärken.

 

Versetzen Sie sich in die Perspektive der Erholungsuchenden: Warum nutzen sie den konfliktträchtigen Bereich? Beruht es auf fehlerhaften Informationen, Unwissen oder mangelndem Verständnis?

 

Wiederholen Sie die Prüfung nach einiger Zeit, um zu kontrollieren, ob die Maßnahmen langfristig wirken oder nachjustiert werden müssen.

Links:

Hier erfahren Sie, weshalb OpenStreetMap so wichtig für digitale Besucherlenkung ist.

Hier in unserem OSM-Tutorial erfahren Sie, wie man in OSM aktiv werden kann.

Dieser Text wurde in Zusammenarbeit mit Tour Konzept eG ausgearbeitet.