Bedeutung von OpenStreetMap für die Besucherlenkung
Zusammenhang von OpenStreetMap und digitalen Outdoorplattformen sowie Einfluss auf Routing durch Änderungen in OpenStreetMap
Was ist OSM?
OpenStreetMap (OSM) ist eine frei zugängliche, weltweit genutzte Karte, die von einer großen Community aus Freiwilligen erstellt und gepflegt wird. Nutzer*innen können geografische Daten wie Straßen, Gebäude, Flüsse und vieles mehr hinzufügen, bearbeiten und verbessern. OSM bietet eine offene Alternative zu kommerziellen Karten und wird für eine Vielzahl von Anwendungen und Navigation bis zu Analyseprojekten, genutzt.
„Wenn OpenStreetMap stimmt, können komoot und Co richtig leiten.“
OSM als Datenquelle
Es ist schon erstaunlich, wie sehr die führenden digitalen Outdoorplattformen ihre Qualität auf OSM-Daten aufbauen. Im Vergleich dazu ist Google Maps zwar für die KFZ-und Fußgängernavigation in der Stadt meist sehr gut, erweist sich bei der Berechnung von Wanderstrecken den OSM-basierten Daten in den meisten Fällen als deutlich unterlegen, vor allem bei Streckenberechnungen außerhalb der Stadt.
Fast alle Outdoorplattformen wie komoot, Outdooractive, Bikemap oder Strava setzen nicht nur deswegen auf OpenStreetMap. Denn das frei verfügbare OpenData-Set ist topaktuell und frei verfügbar. So erscheinen die OSM-Daten nicht nur als im eigenen Stil gestaltete Hintergrundkarte, sondern werden auch zur Streckenberechnung, für den Import von externen Tourendaten (als gpx-Datei), bei der Navigation unterwegs und zur Suche nach Adressen und Zielen eingesetzt. Beispielsweise bezieht komoot seine topographischen Informationen aus OpenStreetMap, stellt sie aber in seinem eigenen Kartenstil dar, nämlich als komoot-Basiskarte.
Aktive und passive Besucherlenkung durch OSM-Datenpflege
Ob, welche und wie diese OSM-Daten aber in der Karte des Webdienstes erscheinen („gerenderte“ Daten) und ob das Routing wirklich die gewünschten Strecken ergibt, das steuert der jeweilige Plattform- oder Appanbieter. Das Rendern und vor allem der Routingalgorithmus ist sozusagen deren "Coca-Cola-Rezept", wird in der Regel also nicht offengelegt.
Wann aktualisierte OSM-Daten in den Karten von komoot und anderen Outdoorplattformen angezeigt und zum Routing genutzt werden, hängt vom jeweiligen Anbieter ab: komoot lädt beispielsweise jede Woche die gesamte OSM-Datenbank herunter und generiert daraus seine aktuelle komoot-Karte.
Wege sind drin, bei Wanderrouten haperts
Bei den auf dem Wegenetz verlaufenden Themenrouten ist die Qualität bei OpenStreetMap noch deutlich verbesserungsbedürftig. Die meisten beschilderten Wanderwege- und Netze sind bereits in OpenStreetMap enthalten, allerdings weitestgehend nicht von Touristiker*innen bzw. Radverkehrsplaner*innen eingepflegt, sondern von aktiven Mappern, als vor-Ort-Erhebung der aktuellen Wegweisung. Hier ist waymarkedtrails.org ein sehr hilfreicher Dienst zur Anzeige der aktuell in OSM enthaltenen Wanderweg-Relationen. Das betrifft übrigens auch die nicht mehr ausgeschilderten Wanderwege, die noch als Teilstücke in OSM vorhanden sind – auch sie erscheinen nach wie vor bei komoot & Co, bis sie aus OSM gelöscht werden.
Wege nicht löschen, sondern die richtigen Attribute hinzufügen
Wege in natursensiblen Bereichen – zum Beispiel Pfade in Kernzonen von Naturschutzgebieten oder aufgelassene Wege – sollten nicht gelöscht, sondern mit entsprechenden Attributen gekennzeichnet werden. Bei verantwortungsbewussten Anbietern erscheinen sie dann nicht auf der Karte oder in der App und die Streckenberechnung führt um sie herum. In ähnlicher Weise verhält es sich mit verschlossenen Toren, Umlaufsperren etc. Eine Garantie dafür gibt es allerdings nicht, da sich sowohl die Kartendarstellung als auch der Routingalgorithmus selbst beim gleichen Anbieter ändern können.
Strecken werden neu berechnet – auf OSM-Basis
Auch für die Verarbeitung von gpx-Dateien (wie sie als Qualitätsdaten von Naturparken zur Verfügung stehen) sind aktuelle OSM-basierte Karten entscheidend, und zwar gleich mehrfach. Denn wenn beispielsweise ein Naturpark seinen Wanderweg auf einer aktuellen OSM-Karte digitalisiert hat, diesen dann als gpx-Datei zum Download bereitstellt, wird er beim Import in Outdoorplattformen wie komoot noch einmal durchgerechnet, in der Regel dann auch wieder auf OSM-Daten. Auch die Navigationsanweisungen auf dem Smartphone beruhen auf OSM-Daten. Je ähnlicher sich die OSM-Daten auf den verschiedenen Plattformen sind – beim Naturpark, beim Routinganbieter und vielleicht auch noch einer anderen App auf dem Smartphone oder GPS-Gerät der Nutzer*innen – desto wahrscheinlicher ist es, dass die Benutzer*innen auf denjenigen Wegen geleitet werden, die von verantwortungsbewussten Anbieter*innen auch dafür vorgesehen sind.
uMap für temporäre Sperrungen
Während Google Maps im KFZ-Bereich fast jede Baustelle und jede Staulänge aufgrund von aktuellen Bewegungsprofilen zu kennen scheint, beruhen temporäre Wegesperrungen im Outdoorbereich auf redaktioneller Pflege (wie z.B. bei Outdooractive).
OSM-basierte Tools wie uMap sind deutlich einfacher einzusetzen und eignen sich sehr gut, um temporäre Strecken, Baustellenumleitungen und Zonen mit zeitlich befristetem Zugang auf der eigenen Homepage zu präsentieren oder dem Gast direkt als URL auf sein Smartphone zu senden. uMap ist deswegen so wichtig, weil Änderungen, die in OSM eingetragen wurden, zum Teil erst nach mehreren Wochen Verzögerung auf den Outdoorplattformen erscheinen, wodurch kurzfristige Sperrungen oft zu spät angezeigt würden.
Links:
Hier in unserem OSM-Tutorial erfahren Sie, wie man in OSM aktiv werden kann.
Link zu OpenStreetMap.de
Link zu OpenStreetMap.org
Link zu uMap
Dieser Text wurde in Zusammenarbeit mit Naviso Outdoornavigation ausgearbeitet.