„Z’samme was schaffe“ – Freiwilligenaktionen für ein gutes Miteinander im Wald

Die Beteiligung von Menschen an Freiwilligenaktionen im Wald birgt Potenzial für einen konstruktiven Dialog und Austausch auf Augenhöhe zwischen Forstleuten und Bürger*innen. Damit wird Waldwissen vermittelt, Verständnis und Wertschätzung geweckt sowie Konflikten vorgebeugt. Gemeinsame Pflanz-, Müllsammel- und andere Aktionen im Wald verbinden emotional mit diesem Lebens- und Erholungsraum. Dies ist die Grundlage für Achtsamkeit und den Wunsch, den Wald zu schützen und keinen Schaden anzurichten.

Ausgangslage

In den letzten Jahren ließ sich ein deutlicher Anstieg des Interesses an freiwilligem Engagement für den Wald beobachten. Viele Bürger*innen, Vereine und Unternehmen wollen sich, gemeinsam mit Forstleuten, für den Walderhalt einsetzen und suchen daher vermehrt nach Möglichkeiten, (selbst) aktiv zu werden. Beispielsweise zeigt eine bevölkerungsrepräsentative Befragung in Baden-Württemberg aus dem Jahr 2021*, dass fast die Hälfte der erwachsenen Befragten Interesse hat, an Pflanz-/Pflegeaktionen teilzunehmen. 7 % haben sogar bereits an einer solchen Aktion teilgenommen (siehe Abbildung 1). 

 

Das Interesse, sich für den Wald zu engagieren birgt viel Potenzial. Miteinander anzupacken, „z’samme was [zu] schaffe“, kann zu einem guten Miteinander zwischen Erholungsuchenden, Forstleuten und anderen Gruppen, die den Wald für sich nutzen, beitragen. Die gemeinsame Zeit macht es möglich, Perspektiven auszutauschen und miteinander ins Gespräch zu kommen. Damit können Freiwilligenaktionen dazu beitragen, das Verständnis füreinander zu fördern – trotz unterschiedlicher Meinungen und Perspektiven.

 

*Die Online-Panel-Befragung „Bürgerschaftliches Engagement für den Wald in Baden-Württemberg“ wurde vom Befragungsinstitut forsa im Auftrag der FVA durchgeführt. 

Abbildung 1: „Haben Sie schon einmal an einer Pflanz-/Pflegeaktion teilgenommen bzw. könnten Sie sich vorstellen, an einer solchen Aktion teilzunehmen?“
Abbildung 1: „Haben Sie schon einmal an einer Pflanz-/Pflegeaktion teilgenommen bzw. könnten Sie sich vorstellen, an einer solchen Aktion teilzunehmen?“ © FVA Baden-Württemberg

Lösungsansatz 

Das wachsende Interesse, sich freiwillig für den Wald zu engagieren, ist keineswegs ein Nischenphänomen – im Gegenteil. Es lässt sich beobachten, dass sich die unterschiedlichsten Menschen aus vielfältigen Gründen für den Wald engagieren oder engagieren möchten (s. Abbildung 2).

Abbildung 2: Motive für waldbezogenes Engagement (Wort-Größe in Abhängigkeit von der Häufigkeit der Nennung in Interviews).
Abbildung 2: Motive für waldbezogenes Engagement (Wort-Größe in Abhängigkeit von der Häufigkeit der Nennung in Interviews). © FVA Baden-Württemberg

Für viele Menschen hat Bäume pflanzen eine besondere emotionale, starke und positive Symbolkraft. Auch die mediale Berichterstattung konzentriert sich oft auf diese Art des waldbezogenen Engagements.

 

Die gute Nachricht für alle, die gerne Freiwilligenaktionen anbieten möchten: es muss nicht immer Bäume pflanzen sein, denn die Engagement-Interessierten sind für verschiedenste Arten von Aktionen offen (s. Abbildung 3).

Abbildung 3: „Würden Sie sich bei folgenden Aktionen gerne freiwillig engagieren?“ (Befragte, die bisher an keiner Aktion teilgenommen haben und sich künftig eine Teilnahme vorstellen können).
Abbildung 3: „Würden Sie sich bei folgenden Aktionen gerne freiwillig engagieren?“ (Befragte, die bisher an keiner Aktion teilgenommen haben und sich künftig eine Teilnahme vorstellen können). © FVA Baden-Württemberg

So können Freiwillige auch bei der Instandhaltung von Wegen, z. B. beim Ausbessern oder Ersetzen von Holzbrücken und Stegen, beteiligt werden. Vor allem in Schutzgebieten kann dies dazu beitragen, dass Wandernde nicht durch Umgehen kaputter Stege die angrenzende Vegetation schädigen. Pflege- oder Schutzmaßnahmen, die ohnehin im Revier anstehen, können ebenfalls gut mit Freiwilligen umgesetzt werden. Ausschlaggebend ist vor allem, selbst aktiv zu werden und mit anpacken zu können. Entscheidend ist dabei zu erklären, weshalb die Tätigkeiten sinnvoll sind. Auch komplexere Zusammenhänge lassen sich den meist sehr interessierten Teilnehmenden gut vermitteln.

 

Mögliche erweiterbare und beliebig kombinierbare Ziele von gemeinsamen Freiwilligenaktionen können sein:

  • Freiwillige als zusätzliche Unterstützung bei der forstlichen Arbeit
  • Waldpädagogik: Wissen über Wald und (naturnahe) Waldbewirtschaftung vermitteln
  • Umweltbildung: Sensibilisierung für Klimawandel und Nachhaltigkeit
  • Ins Gespräch kommen: Austausch und Dialog zwischen verschiedenen Akteursgruppen
  • Beteiligung von Zivilgesellschaft in der Waldbewirtschaftung ermöglichen
  • Interessierte für ein dauerhaftes/regelmäßiges Engagement gewinnen

Hinweise  für die Umsetzung

Viele Freiwillige wünschen sich konkrete Empfehlungen von Forstleuten, welche Maßnahmen wirklich von Nutzen sind, um einen Beitrag zu mehr Wald- oder Klimaschutz zu leisten. Wichtig ist die fundierte Aufbereitung und Vermittlung der relevanten Hintergründe und auch die offene Darlegung von Unsicherheiten, was z.B. den Waldumbau in Bezug auf den Klimawandel betrifft.

 

Viele Teilnehmende schätzen die Expertise der Forstleute und haben „großes Vertrauen, dass mans schon richtig macht als Forstpartie“. Gleichwohl können auch kritische Fragen gegenüber der Forstwirtschaft und deren Ausrichtung auftauchen, denn „Leute, die eben eigentlich im Alltag nix mim Wald zu tun haben stellen diese Fragen dann auch ganz unbedarft und sagen: ja warum habt ihr denn diese ganzen Fichten gepflanzt?“.

 

Indem sich Expert*innen kritischen Fragen gegenüber offen zeigen, verschiedene Meinungen zulassen und auf Augenhöhe mit Freiwilligen kommunizieren, entsteht Raum für einen konstruktiven Dialog, bei dem auch emotionale Argumente beider Seiten akzeptiert werden. Wenn dies gelingt, können Freiwilligenaktionen allen Beteiligten wertvolle Perspektivwechsel eröffnen und so „in beide Richtungen wirken“.

 

Sowohl für die Motivation während der Aktion, als auch für die Motivation, sich langfristig bzw. erneut zu engagieren, spielt auch der Faktor „Spaß“ eine entscheidende Rolle: „man macht was für die Umwelt, es bringt was, macht Spaß“. Eng damit verknüpft ist der Aspekt, mit anderen Menschen zusammenzukommen und sich gemeinsam zu engagieren. Gerade vor dem Hintergrund des Klimawandels führt gemeinschaftliches Engagement dazu sich weniger ohnmächtig und hilflos zu fühlen. Freiwilligenaktionen sollten daher so konzipiert sein, dass Raum und Zeit für Austausch und Interaktion besteht, sodass ein Gemeinschaftsgefühl zwischen allen Beteiligten entstehen kann.

 

Das Vorwissen und die Einstellung der potenziellen Teilnehmer*innen zu den Themen Wald, Waldbewirtschaftung und Klimawandel ist dabei sehr divers und auch der Betreuungsaufwand im Rahmen solcher Aktionen sollte nicht unterschätzt werden.

  • Stabsstelle Gesellschaftlicher Wandel

    Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg
    Wonnhaldestraße 4 · D-79100 Freiburg

    Telefon: +49 (761) 4018-458 
    E-Mail: SGW.FVA-BW@forst.bwl.de

  • Link:

    Eine ausführliche Handreichung, was bei der Umsetzung von Freiwilligenaktionen zu beachten ist und weitere Hintergründe des bürgerschaftlichen und unternehmerischen Engagements finden sich auf der Projektwebsite der FVA.

     

    Download:

    Handlungsempfehlungen für Forstleute zur Durchführung von Freiwilligenaktionen.

     

    Datengrundlage:

    Grundlage der Empfehlungen sind die Erkenntnisse des Forschungsprojekts „Bürgerschaftliches und Unternehmerisches Engagement in der aktiven Wiederbewaldung“, das 2020/2021 von der Stabsstelle Gesellschaftlicher Wandel der FVA realisiert wurde.

     

    Die Datenerhebung erfolgte mittels bevölkerungsrepräsentativer Befragung, durch Begleitung und Beobachtung von diversen Freiwilligenaktionen (teilnehmende Beobachtungen), sowie (Gruppen-)Interviews mit engagierten Bürger:innen, Unternehmen und Forstleuten, aus denen auch die Zitate im Text stammen.