Besucherlenkung
Besucherlenkung umfasst Maßnahmen zur gezielten Steuerung von Besucherströmen, um Natur und Landschaft zu schützen, Konflikte zwischen Erholungsuchenden zu vermeiden und das Besuchserlebnis zu verbessern. Dabei werden bevorzugt „sanfte“ Mittel wie attraktive Angebote, Informationsvermittlung und digitale Tools eingesetzt, um eine positive Lenkung zu erreichen.
Was ist Besucherlenkung?
Besucherlenkung umfasst alle Maßnahmen, die geeignet sind, Besucherströme innerhalb einer Region gezielt zu lenken und zu beeinflussen.
Die wichtigsten Ziele:
- Räumliche/zeitliche Entzerrung von Besucherströmen
- Vermeidung von Konflikten zwischen verschiedenen Nutzergruppen und Steigerung der Zufriedenheit der Erholungssuchenden
- Schutz vor Übernutzung der Natur und Landschaft und Schutz von Flora und Fauna
Bei den verschiedenen Maßnahmen zur Besucherlenkung kann zwischen harten und sanften Maßnahmen unterschieden werden. Zu den „harten“ Maßnahmen zählen beispielsweise Ge- und Verbote oder Abzäunungen. Daneben gibt es „sanfte“ Maßnahmen wie Ablenkung (z. B. gezielte Anpflanzungen), Anreizmittel („Lenkung durch Attraktion“) und Informationen (Sensibilisierung durch Infotafeln etc.). Dabei sind die „sanften“ Maßnahmen im Sinne einer positiven Besucherlenkung immer zu bevorzugen, da sie auch wirksamer sind: Durch sanfte Maßnahmen wird häufig mehr Verständnis erzielt als durch harte Maßnahmen. Zu den sanften Maßnahmen gehört auch die zielgruppengerechte Kommunikation von Umgangsregeln in der Natur und gegenüber anderen Nutzungsgruppen. Optimalerweise trägt die Lenkungsmaßnahme zu einem gesteigerten Naturerlebnis bei, sodass die Erholungsuchenden sie als positiv wahrnehmen.
Besucherlenkung durch Attraktion
Durch attraktive Angebote erfolgt eine Positiv-Lenkung. Dabei gibt es verschiedene Herangehensweisen:
- Entweder man lenkt hin zu Bereichen und Strecken, die ein erhöhtes Besucheraufkommen verkraften. Sensible Bereiche können so bei gleichbleibender Gesamtbesucherzahl entlastet werden (siehe rechte Abbildung).
- Oder man entzerrt die Nutzung auf der gesamten Fläche, indem man mehrere Attraktionen anbietet. Dadurch kann Overtourism vermieden werden (siehe linke Abbildung).
Verschiedene Beispiele einer Lenkung durch Attraktion:
- Ausweisung attraktiver, zielgruppengerechter Routen
- Ausweisung und Attraktivierung von Aufenthaltsbereichen oder POIs außerhalb sensibler Bereiche (z.B. Rastplätze/-bereiche, Outdoor-Workout-Stationen, Wald-Erlebnismöglichkeiten für Kinder, Hundefreilaufflächen)
Maß der Fragmentierung
Vor allem in Ballungsgebieten sind Wald- und Naturflächen durch eine hohe Nutzungsintensität stark zerschnitten. Oft bilden sich neben den offiziell angelegten Wegen auch weitere Pfade und Verbindungswege. Diese hohe Zerschneidung wirkt sich negativ auf Fauna und Flora aus, da es kaum mehr ungenutzte Gebiete gibt. Ziel einer Besucherlenkung ist es deshalb auch, die Fragmentierung zu reduzieren. Wege für die verschiedenen Nutzungsarten sollten gebündelt werden, während andere Bereiche beruhigt und bei Bedarf Wege zurückgebaut werden.
Kanalisierung auf Linien
Zusammen mit der geringeren Fragmentierung der Wege kann auch eine Kanalisierung der Angebote auf Linien sinnvoll für eine Lenkung der Besucher sein. Entlang verschiedener Linien können nebeneinanderliegende Wege für unterschiedliche Nutzungsgruppen gleichzeitig die Konfliktsituationen entschärfen, daneben aber auch zu einer Bündelung der Besucherströme und dadurch zu einer Entlastung anderer Bereiche führen.
Bei allen Besucherlenkungsmaßnahmen ist es wichtig zu betonen, dass dies keine 100-Prozent-Lösungen sind. Besucherströme lassen sich bis zu einem bestimmten Grad beeinflussen. Bei vielen Maßnahmen macht es Sinn, diese nach einer bestimmten Zeit gemeinsam zu evaluieren und bei Bedarf anzupassen, um die Wirksamkeit weiter zu verbessern.
Digitale Besucherlenkung
Heutzutage kommen in der Besucherlenkung vermehrt digitale Tools zum Einsatz. Dazu gehören Apps, digitale Outdoorplattformen, Websites, Handy-Tracking und vieles mehr. Auch werden analoge und digitale Maßnahmen kombiniert, um Daten zu erfassen und Erholungsuchende gezielt zu steuern. So können beispielsweise Besucherzahlen ermittelt und vorab Informationen über Websites oder Informationstafeln im Gelände bereitgestellt werden. Dadurch werden alle Kommunikationswege genutzt und unterschiedliche Zielgruppen erreicht.
Beispiele für digitale Besucherlenkung:
- Eintrag von Streckensperrungen (zum Beispiel wegen Krötenwanderung, Brutgebiete) auf Websites und in digitalen Outdoorplattformen.
- Sperren von Wegen in OpenStreetMap (die Wege werden im Bearbeitungsmodus als gesperrt dargestellt, mit Begründung, in der Karte für die Endnutzenden werden sie nicht angezeigt).
- Sperren von Wegeabschnitten in OpenStreetMap für bestimmte Nutzergruppen. Die Wege werden in der Karte angezeigt, beim Routing wird aber nicht über sie geplant (Zum Beispiel Sperrungen für Radfahrende, Wandernde, Reitende).
- Eintragen von ausgeschilderten Wegen (Rad, Wandern, Reiten, etc.) in OpenStreetMap. Die Wege werden bei der Tourenplanung gesondert hervorgehoben und primär für das Routing genutzt.
Dieser Text wurde in Zusammenarbeit mit Tour Konzept eG ausgearbeitet.